07. Mär 2025
21. Apr 2025

6 ½ Wochen – Krystel Geerts

Building of a Memory

Ein großes Tor lädt zum Durchschreiten ein, eine Replik des Tores liegt in drei Teilen am Boden. Weiß schimmernde, zaunartige Elemente hängen an der Wand, verformte Ziegeln sind zu fragilen Mauerfragmenten aufgeschichtet. Es ist eine Welt der Transformation, des Übergangs und des Umbruchs.

Die Werke der niederländischen Künstlerin Krystel Geerts (*1993, Deventer) verbindet eine Ungreifbarkeit der Oberflächen und der Materialität. Brüchig und offen erscheinen sie wie verschwommene Erinnerungen an barocke Architekturen. Nicht zuletzt, weil der Prozess ihrer Entstehung den Werken eingeschrieben ist. Für La Chimera schuf Geerts ein massives Tor aus Ton und benutzte ihre bloßen Hände sowie eigens gefertigte Werkzeuge, um einen „flow“ im Material zu erzeugen. Auch Fingerabdrücke sind zu sehen. Immer wieder warf sie Tonscheiben an den nassen, am Ende 700 Kilo schweren Tonkoloss, die daran haften blieben. Prachtvoll, ornamental und doch aufgelöst und porös ist La Chimera ein Dokument seiner Entstehung und zugleich seine Negation. Denn Geerts hat La Chimera I in Polyester und La Chimera II in Acrylharz vom Original abgeformt. Das massive Tor aus Ton hingegen existiert nicht mehr. Die Abformungen bewahren zwar die Anmutung des Tores, sind aber ausgehöhlt und kulissenhaft leicht.

„Building of a Memory“ ist die erste Einzelausstellung von Krystel Geerts außerhalb der Niederlande. Ihre Werke sind inspiriert von Architekturabbildungen, die sie im Internet findet. Aus der Erinnerung entstehen schließlich die Entwürfe für ihre Arbeiten, dabei überlagern und vermischen sich die Bilder von ganz unterschiedlichen Orten und führen zum Eindruck einer sinnestäuschenden Ungreifbarkeit. Geerts kommentiert auf diese Weise verschiedene Illusionstechniken in der Kunst- und Architekturgeschichte, allen voran des Barock, und bezieht sie auf die Gegenwart. Denn Schein und Sein klaffen in den digitalen Welten immer mehr auseinander: Gefälschte oder manipulierte Bilder, Videos und Nachrichten kursieren nahezu gleichberechtigt mit echten Informationen. Erfahrbar bleibt bei Geerts die unbestimmte Wahrnehmung einer fragmentierten Welt.

Krystel Geerts (*1993, Deventer) hat an der AKI Academy of Art & Design in Enschede und der Royal Academy of Fine Arts in Gent studiert. Aktuell hat sie eine Residenz an der Rijksakademie Amsterdam. Ihre Werke wurden unter anderem in Gruppenausstellungen gezeigt in der Saatchi Gallery London, 2024; dem Museum De Fundatie, Zwolle, 2023; der C-mine Genk, 2024 und der Galerie Tegenboschvanvreden, Amsterdam, 2024.

Der Eintritt ist frei.

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Krystel Geerts La Chimera I, 2023, © Courtesy of the artist, Foto: Kai B

Krystel Geerts
La Chimera I, 2023
Polyester, steelconstruction / Stahlkonstruktion, 272 x 150 x 195 cm
© Courtesy of the artist, Foto: Kai Behrendt, Wiebke Meischner

 

Krystel Geerts, La Chimera II, 2024© Courtesy of the artist, Foto: Kai Behrendt, Wiebke Meischner

Krystel Geerts, La Chimera II, 2024, Acrylic resin/Acrylharz, 3-teilig, 195 x 105 x 48 cm (Detail) © Courtesy of the artist, Foto: Kai Behrendt, Wiebke Meischner

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