William Kentridge erhält den Internationalen Folkwang Preis

Essen, 4.11.2024 – Der Folkwang-Museumsverein verleiht William Kentridge am heutigen Abend den Internationalen Folkwang-Preis. Der Museumsverein zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich wie Museumsgründer Karl Ernst Osthaus (1874–1921) in besonderer Weise um die Förderung und Vermittlung von Kunst verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger sind Neil MacGregor (2010), Reinhold Würth (2013), Hans Ulrich Obrist (2015), Okwui Enwezor (2017) und Barbara Klemm (2021). Die Laudatio hält die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Marion Ackermann. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

William Kentridge: „Ich freue mich sehr über diesen Preis. Ich fühle mich geehrt, als Preisträger in einer Reihe mit Okwui Enwezor und Hans Ulrich Obrist zu stehen. Sie haben beide entscheidend dazu beigetragen, dass nichteuropäische Kunst international die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient, und sie haben uns geholfen zu verstehen, wie wichtig der Blick von außen auf Europa ist.

Im Laufe der Jahre habe ich mich in vielen Projekten auf deutsche Autoren und Künstler oder auf Texte in deutscher Sprache bezogen. Zahlreiche Ausstellungen und Projekte sind bereits in deutschen Institutionen realisiert worden, und ich freue mich nun auf eine Ausstellung in Essen und Dresden im kommenden Jahr. “

Ulrich Blank, Vorsitzender des Folkwang-Museumsvereins: „William Kentridge hat bleibende Maßstäbe für den innovativen Umgang mit Zeichnungen, Bewegtbildern und Animationen in der Kunst gesetzt. Sein Ideenreichtum ist unbegrenzt, und seine Grenzüberschreitungen hinein in Installationen, Bühnenbilder und Regieleistungen sind bereits heute legendär. Mit Respekt und Sensibilität widmet er sich insbesondere den Lebens- und Leidensgeschichten der Menschen seiner südafrikanischen Heimat; ihre Erfahrungen inspirierten ihn bereits früh in seiner Arbeit. Der Folkwang-Museumsverein ehrt einen außergewöhnlichen Menschen und Künstler.“

Der Preisträger William Kentridge
Das künstlerische Werk des Südafrikaners William Kentridge (*1955) findet seit Jahrzehnten weltweit Beachtung. International bekannt wurde Kentridge in den 1990er Jahren mit animierten Kurzfilmen, die auf Kohlezeichnungen basieren und die Geschichte Südafrikas im 20. Jahrhundert thematisieren. Zeichnungen bleiben bis heute die Grundlage seines vielseitigen Schaffens, das auch Druckgrafik, Skulptur und Tapisserie umfasst. Seine Kunst greift Themen wie Kolonialismus und gesellschaftliche Utopien auf und setzt sich für Menschenrechte und Menschenwürde ein. Untrennbar verknüpft mit seinem bildkünstlerischen Schaffen sind Kentridges Aktivitäten auf dem Gebiet der darstellenden Künste. Er entwickelte Stücke für das Puppentheater und inszenierte als Regisseur an den großen

Opernhäusern der Welt. Seit einigen Jahren konzipiert er eigene Kammeropern in enger, gattungsübergreifender Zusammenarbeit mit Komponist:innen, Musiker:innen, Darsteller:innen und Bühnenbildner:innen.

Internationaler Folkwang-Preis
Den mit 10.000 Euro dotierten Internationalen Folkwang-Preis verleiht der Folkwang-Museumsverein e.V. seit 2010 an Personen und Institutionen, die sich im Sinne des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus (1874 – 1921) in besonderer Weise für die Förderung und Vermittlung von Kunst und Kultur an eine breite Öffentlichkeit verdient gemacht haben.

In seinem Werk verbindet Kentridge Kunst und Leben und überwindet die Grenzen zwischen bildender und darstellender Kunst. Darüber hinaus ist die Vermittlung künstlerischer Inhalte an das Publikum für William Kentridge integraler Bestandteil seines Schaffens, nicht zuletzt in Form aufwendig produzierter Videoarbeiten, die die kreativen Prozesse bei der Entstehung seiner Werke im Atelier anschaulich machen. Mit dem 2016 von ihm gemeinsam mit Bronwyn Lace gegründeten The Centre for the Less Good Idea in Johannesburg, das sich in kurzer Zeit als vielbeachtetes künstlerisches Laboratorium etabliert hat, fördert Kentridge den kreativen Nachwuchs und leistet einen wichtigen Beitrag zur internationalen Bekanntmachung und Vermittlung künstlerischer Positionen des afrikanischen Kontinents.

In Anerkennung dieser Verdienste erhält William Kentridge den Internationalen Folkwang-Preis 2024. Die Laudatio hält Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.


Anlässlich des 70. Geburtstags von William Kentridge organisieren das Museum Folkwang und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden das gemeinsame Ausstellungsprojekt William Kentridge. Listen to the Echo mit dem Künstler. Es wird von September 2025 bis Januar 2026 zeitgleich in Essen und Dresden zu sehen sein.

 

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